Eine Begegnung im Bus

Es war ein sonniger Wintertag im Jahr 2010, als ein mir unbekannter Mann mittleren Alters freudestrahlend auf mich zu kam, um mir die Hände zu schütteln. Es war eine Begegnung, die mich freudig, aber gleichzeitig auch nachdenklich stimmte.

Obwohl ich relativ unbekannt bin, so erkennen mich ab und an einige meiner Fans. An diesem besagten Tag geschah dies zum ersten Mal, und zwar unvorhergesehen. Zuvor trafen mich die Menschen, die mit mir in Kontakt treten wollten entweder auf meinen Seminaren oder sie trafen mich, nachdem wir persönliche Treffen oder Beratungstermine vereinbart hatten.

In der Öffentlichkeit blieb ich bis dato, unerkannt. Das mich jetzt jemand erkannte, war also zunächst unerwartet.

Zur Vorgeschichte:

In 2006 erkannte ich, dass Wolken am Horizont der Finanzwelt heraufzogen. Ich war damals Teilnehmer an einem der Top Global Executuve MBA Programme und teilte dieses Privileg zusammen mit weiteren 29 Vertretern führender Unternehmen. Einige davon bestimmen die Geschicke von Ländern und sind persönliche Freunde wichtiger, einflussreicher Landesführer. Zu unseren Lehrern gehörten ehemalige Finanzminister und Bankpräsidenten. 

Kurzum, ich sass also mit Menschen am Tisch, die es hätten besser wissen müssen.


Damals lag mein Fokus hauptsächlich darauf, die Risiken, die sich am Horizont abzeichneten, zu erkennen und einzuschätzen, und so machte ich mich mit meinen Hinweisen auf die drohende Finanzkrise immer unbeliebt. Das tat ich nicht ganz uneigennützig, denn ich wollte Investoren davon überzeugen, Geld für Technologieprojekte freizumachen, doch dies ist eine andere Geschichte. Was ich jetzt erzählen möchte ist, dass der Fokus der Investoren in diesen Zeiten fast ausschliesslich auf Renditen im Immobilienmarkt lag,, der seit Jahrzehnten nur zu wachsen schien. Meine Anregungen darüber nachzudenken, sich ein alternatives Portfolio aufzubauen, wurden ignoriert. Fast ausschließlich waren die Investorn, die ich damals traf, darauf aus, noch am Ende des Booms teilhaben wollte. Meine Bemühungen fielen daher auf einen Boden, der zur Aussaat noch nicht bereit war.

Es ist ganz natürlich, dass dieses Verhalten die Betrachtung von Risiken ausschließt, da gerade am Ende einer Blase das Wachstum nicht mehr exponentiell sondern super-exponentiell wächst. Diese Betrachtung war mir damals allerdings unbekannt. Erst nachdem ich als Senior Researcher an der ETH Zürich mit Didier Sornette gearbeitet hattee, lernte ich mit dem Blick auf Risiken besser umzugehen und mir nicht die Freude am Leben vermiesen zu lassen.

Zuvor sah ich das Thema Risiko immer aus einer limitierenden Perspektive heraus. Ich hatte mein Potential limitiert. Der Blick darauf, was schief lief, liess mich nicht nur erkennen, was geschehen würde, sondern er sog mich in seinen Bann. Ich bemühte mich zunehmend, Risiken zu vermeiden, anstatt sie als Chancen zu meistern. Erst Jahre später verstand ich durch weitere Studien, dass meine Sichtweise damals hinderlich war.

Intuition und Finanzkrise

Meine Intuition war vollkommen richtig. Was ich damals noch als einer der Wenigen erahnte, wurde bereits 2007 und 2008 Realität. So gehöre ich zu dem kleinen Kreis erfolgreichen Krisenforscher und Trend Forcaster, die die Finanzkrise kommen sahen. Das lustige dabei ist, dass es vor der Krise keiner hören will, und nach der Krise alle schon längst immer gewusst haben. Auch das gehört zur menschlichen Natur.

Da ich öffentlich den 15. September 2008 als mögliches Datum für einen Crash genannt hatte, errang ich schnell Aufmerksamkeit ausserhalb des kleinen Kreises von einigen tausend Follwern, die bis dahin auf mich aufmerkasm geworden waren. Kurz darauf nahmen sich auch einige Medien meiner an. Natürlich nicht die westlichen Staatsmedien, deren Auftrag daran lag, die Durchhaltepropaganda zu schüren und die Regierungen gut aussehen zu lassen, sondern fast ausschliesslich ausländischen Medien. Der Umstand, dass ich unter den Krisenforschern die präziseste Vorhersage geliefert hatte, änderte nichts daran.

Eine so präzise Vorsorge scheint noch nicht vielen Menschen gelungen zu sein, und die Punktlandung, der Tag an dem Lehman Bankrott ging, verursachte nicht nur Euphorie, sondern auch Aufmerksamkeit in den sozialen Medien.

Seit dem halte ich einen Track-record von ca. 75 Prozent bei meinen Vorhersagen. Die letzte bedeutende Vorhersage war das Ende der letzten grossen Bitcoin Blase, und zwar, wieder einmal, punktgenau.

 

Die Zukunft

Auch, wenn ich damals bereits sehr erfolgreich agierte, so wollte ich nicht dauerhaft der Überbringer schlechter Nachrichten sein. Ich wusste, damals also genau, was ich nicht wollte. Ich wollte kein Fernsehreporter werden, der jeden Tag Nachrichten zu verkünden hatte, selbst wenn es nichts wirklich Wichtiges zu berichten gab.


Ein Tag im Jahr 2010

Daher war ich also zunächst sehr verblüfft, dass überhaupt jemand auf mich zu kam und mich erkannte. Ich war gerade in Zürich in einen Bus gestiegen und ich war der Meinung, dass mich kaum Menschen kannten, geschweige denn in dicker Winterbekleidung erkennen würden. Dass ich mich geirrt hatte, schien meine kurzfristige Verwunderung nur noch zu steigern. Viele meiner Follower hatten durch mich einen Halt durch die stürmigen Zeiten der Finanzkrise hindurch gefunden, was mir durch die vielen Bekundungen gewahr wurde, die mir das mitteilten, und was mich erfreute. Ich hatte Menschen, die voher keinen Schimmer von der Finanzwelt hatten dabei geholfen, die durchaus komplexen Zusammenhänge besser zu verstehen.

Die Wende

Und so kam es, dass dieser Tag im Jahr 2010 , ein Wendepunkt in meiner Karriere wurde. Ich erkannte, dass ich noch mehr mit meinem Leben anfangen könnte, als anderen dabei zu helfen ihr Vermögen zu sichern oder gar zu vermehren. Ich erkannte auch, dass ich nicht im Mittelpunkt stehen wollte. Zu oft schon gab es immer wieder vereinzelt Personen die absichtlich das fehlinterpretierten, was ich gesagt hatte und versuchten, mir für Ihre persönliche Misere eine Schuld zuzuweisen. Eine Misere, die normalerweise lange vorher begannen, bevor sie zum ersten Mal von mir hörten. Diese wenigen Nörgler gaben nicht den Medien die Schuld an ihrem eigenen Versagen, sondern sie Kanalisierten Ihre Wut auf diejenigen, die sie aus ihrem Kokon der Illusionen herausholten.

Doch es waren nicht die Nörgler, die mich umdenken liessen. Es waren die meist zu Grimassen verzogenen Gesichter der Nachrichtensprecher und Politiker, die ich mir in Erinnerung rief., Ich stellte fest, dass dies keine glücklichen Gesichter waren. Viele von ihnen waren unter ihrem Make-up gezeichnet vom inneren Widerspruch zwischen dem, was sie nach außen darstellten, und dem wie sie sein wollten. War es das wirklich wert?

Jetzt, an diesem sonnigen Tag, musste ich die Entscheidung treffen, ob ich Ruhm und Anerkennung wollte, und dabei meine Wertvorstellungen opfern sollte, oder ob ich anderen Wertvorstellungen folgen sollte.

Die Frage war also: Sollte ich den Rest meines Lebens damit verbringen, darüber zu reden, was alles schief läuft, oder sollte ich es ändern?

Ich entschied mich, die Dinge zu ändern und etwas zu tun. Ich entschied mich dafür, integer zu sein und meinen eigenen Weg zu gehen. Diese Entscheidung war eine der besten in meinem Leben und ich habe sie bis heute noch nicht bereut.

Ich erzähle Dir all das, damit auch Du die richtigen Entscheidungen für Dich triffst. Denn so wie mir damals, geht es tausenden von Menschen, und zwar fast täglich.

 

Mit der Entscheidung mich nach und nach aus dem Rampenlicht zurückzuziehen, traten neue Chancen in mein Leben und ich erkannte, dass die meisten Risiken nicht nur Chancen bieten, sondern großartige Möglichkeiten dafür darstellen sich zu beweisen und Erfolg zu leben.

 

Rückkehr ins Rampenlicht

Auch wenn es mir immer noch Unbehagen bereitet, so trete ich an der einen oder anderen Stelle wieder in die Öffentlichkeit, um andere an meinen Erfahrungen teilhaben zu lassen. Denn ich kann ihnen heute zeigen, wie Sie Ihre Ängste und Befürchtungen vor den Risiken und Chancen in Erfolge umwandeln können. Dies ist ein Prozess und das geht nicht von heute auf Morgen. Aber es ist ein Prozess der das Leben spannend und aufregend gestaltet. Was kann man mehr vom Leben erwarten?

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